
Warum physische Belastung ernst genommen werden muss
Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen fast ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland. Die Kosten durch Bruttowertschöpfung-Verluste erreichen Milliardenhöhe. Ergonomische Gesundheit zeigt, wie Arbeitgeber und Beschäftigte präventiv handeln können.
Was ist physische Belastung?
Physische Belastung umfasst jede Form körperlicher Belastung bei der Arbeit. Motorische Anforderungen beanspruchen das Muskel-Skelett-System und Herz-Kreislauf-Systems. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Dauer, Häufigkeit, Kräfte und Körperhaltungen.

Die sechs Belastungsarten im Überblick
Körperliche Belastung lässt sich in sechs Arten unterteilen:
Belastungsart | Beispiel | Hauptrisiko |
|---|---|---|
Heben und Tragen von Lasten | 10 kg Lasten wiederholt bewegen | Wirbelsäule, Skelett |
Zwangshaltungen | Gebückte Arbeit unter Schreibtisch | Bandscheiben |
Repetitive Tätigkeiten | Kassenband-Arbeit, Bewegungen >10/min | Sehnen |
Erhöhte Kraftanstrengung | Schwere Werkzeuge, Ziehen und Schieben | Gelenke, Muskel-Skelett |
Gesundheitliche Folgen
Anhaltende Belastung führt zu Überbeanspruchungen des Muskel-Skelett-Systems: Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Gelenkerkrankungen. Das Maß der Gefährdung hängt von Einflussfaktoren ab – eine 10 kg Last fünfmal pro Schicht zu heben belastet weniger als zwanzigmal. Ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland entfällt auf diese Ursachen.
Gefährdungsbeurteilung: Pflicht für Arbeitgeber
Arbeitgeber müssen gemäß Arbeitsschutzgesetz physische Belastungen erfassen. Die Gefährdungsbeurteilung erfolgt mehrstufig mit Checklisten und Leitmerkmalmethoden (MEGAPHYS-Projekt der BAuA). Das Risikokonzept nach AMR 13.2 nutzt vier Risikobereiche im Ampelschema zur Beurteilung der Überforderungs-Wahrscheinlichkeit.
Präventionsmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip
Bei erhöhter Belastung sind Maßnahmen nach Priorität umzusetzen:
Technische Maßnahmen: Hebehilfen, Hubtische, Vakuumheber, ergonomische Arbeitshöhen
Organisatorische Maßnahmen: Job-Rotation, Tätigkeitswechsel, optimierte Arbeitsabläufe
Personenbezogene Maßnahmen: Unterweisungen zu Heben und Tragen, betriebliche Gesundheitsförderung
Technische Lösungen haben höchste Wirksamkeit. Hinweise bieten DGUV-Publikationen und Handlungshilfen zur Arbeitsgestaltung.
Konkretisierung für die Praxis
Je höher Häufigkeit und Dauer der Anforderungen, desto größer die Gesundheitsgefährdung. Faktoren wie Arbeitsgestaltung und Arbeitsbedingungen sind entscheidend für den Erhalt der Gesundheit. In Deutschland ist MSE-Prävention seit 2012 GDA-Schwerpunkt – ein Viertel aller Fehltage ließe sich durch konsequenten Arbeitsschutz vermeiden.
FAQ: Häufige Fragen zu physischer Belastung
Was ist eine physische Belastung?
Physische Belastung bezeichnet körperliche Anforderungen bei der Arbeit, die das Muskel-Skelett-System beanspruchen – etwa Heben, Tragen oder Zwangshaltungen.
Was zählt als psychische Belastung?
Psychische Belastung umfasst mentale Anforderungen wie Zeitdruck oder Stress und unterscheidet sich grundlegend von körperlicher Belastung.
Was heißt physisch belastbar?
Physisch belastbar beschreibt die Fähigkeit des Körpers, Anforderungen ohne Überbeanspruchung zu bewältigen.
Was sind physische Einwirkungen?
Physische Einwirkungen sind äußere Kräfte auf den Mensch – durch Bewegungen, Lasten oder Haltungen bei Tätigkeiten.
Fazit: Gesundheit durch Prävention
Arbeitgeber tragen Verantwortung für Gefährdungsbeurteilung und Präventionsmaßnahmen. Die Investition in Ergonomie zahlt sich aus durch weniger Arbeitsunfähigkeitstage und langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit.
Beginnen Sie jetzt: Starten Sie mit einer Gefährdungsbeurteilung Ihrer Arbeitsplätze. Nutzen Sie DGUV-Checklisten für konkrete Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung.
Quellenangaben
„Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen fast ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland“ – Arbeitsschutz Sachsen (www.arbeitsschutz.sachsen.de)
„Das Risiko ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Zeitdauer/Häufigkeit, Aktionskraft, Körperhaltungen“ – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
„Vier Risikobereiche werden in einem Ampelschema eingestuft“ – AMR 13.2, Arbeitsmedizinische Regel
„MEGAPHYS – Mehrstufige Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz“ – BAuA/DGUV Projekt
„Prävention von MSE ist seit 2012 Schwerpunkt der GDA“ – Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie

